Ratgeber

Kann der Kaffee aus einem Kaffeevollautomaten mit dem Kaffee eines professionellen Barista mithalten?

In diversen Kaffeeforen und Communities, die sich mit der Zubereitung von Kaffeespezialitäten auseinandersetzen, wird immer wieder heiß darüber diskutiert ob Kaffee aus dem Kaffeevollautomaten oder Padmaschine bzw. Kapselmaschine mit dem Kaffee eines Profis konkurrieren kann. Eins vorweg: unserer Meinung nach können Kapsel-Kaffeemaschinen und Padmaschinen nicht annähernd von der Qualität mithalten.
Kaffeevollautomat mit Tassen
Kaffeevollautomat mit Tassen

Bei Kaffeevollautomaten sieht das unserer Meinung nach etwas anders aus. Allerdings muss man auch ehrlich eingestehen, dass ein Cappuccino, Latte Macchiato oder Café Crema aus dem Kaffeevollautomaten selbst bei sehr guten Vollautomaten nicht an den Geschmack und das Aroma dieser Kaffeevarianten, zubereitet von einem sehr guten Barista (Kaffeeprofi) herankommt.

Die Betonung liegt hier auf einem sehr guten Barista. Denn nicht jeder der bei einer Kaffeebar eine Espressomaschine bedienen kann ist gleich ein sehr guter Barista. In der Regel sind das Hilfskräfte, die von der professionellen Espressozubereitung genauso wenig Ahnung haben wie Sie. Mehr noch, die wenigsten Kaffeebars machen sich noch die Mühe mit einer professionellen Espressomaschine zu arbeiten. In der Regel stehen hier sehr teure Kaffeevollautomaten, die die Zubereitung übernehmen.

Wie zahlreiche Tests bereits zeigten ist die Qualität eines Kaffees aus einem Vollautomaten stark abhängig von den Einstellungen und auch der regelmäßigen Reinigung der Maschine. Dazu kommt die richtige Bedienung, die richtigen Kaffeebohnen und Röstungen und natürlich auch die Milch. Alles Faktoren, die also beim Geschmack und dem Aroma eines Kaffees eine entscheidende Rolle spielen.

Deshalb ist die Frage, ob der Kaffee aus einem Kaffeevollautomaten mit dem Kaffee von einem sehr guten, professionellen Kaffeezubereiter (Barista) mithalten kann, nicht ganz einfach zu beantworten. Schauen wir uns zunächst einmal an was ein Barista überhaupt ist.

Der Barista – ein Profi in der Kaffeezubereitung

Die Barista Weltmeisterschaften
Jedes Jahr werden von der WCE (World Coffee Events) die World Barista Championships (WBC) ausgetragen. Der Sieger 2014 war übrigens Hidenori Izaki aus Japan.

War noch vor einigen Jahrzehnten der Filterkaffee des Deutschen bester Freund, hat sich in den letzten Jahren die Vielfalt des italienischen Kaffeegenusses auch in Deutschland durchgesetzt. Kaffeevarianten wie Mocca kamen aus dem türkischen Raum zu uns (arabischen Raum) und Milchkaffeevarianten wie Café Crema und Cappuccino, sowie natürlich der klassische italienische Espresso haben längst das deutsche Land erobert.

Und das zu Recht sind sie doch einfach lecker und eine herrliche Abwechslung zum klassischen Milchkaffee, den die Deutschen so lange bevorzugt haben. Einerseits war es gar nicht anders möglich, da nur Filterkaffeemaschinen erhältlich waren und diese nun mal einfach nur einen einfachen Kaffee brühen konnten, den man dann mit Milch auffüllte. Die Zubereitung eines professionellen Cappuccino war nur von Hand möglich, setzte entsprechende Kenntnisse voraus und man benötige die spezielle Espressomaschine.

Außerdem ist es ein nicht unerheblicher Zeitaufwand einen guten Espresso von Hand zuzubereiten. In Italien sind die Barista Barkeeper, die in den Bars Getränke zubereiten. Der Begriff Barista ist hier nicht speziell für die Kaffeezubereitung gedacht, sondern für alle Barkeeper die Getränke jeglicher Art zubereiten. International hat sich der Begriff Barista allerdings für professionelle Kaffeezubereiter durchgesetzt, die Meister in der Zubereitung von Cappuccino, Latte Macchiato und vielen weiteren Kaffeevarianten sind.

Milchschaum auf Kaffee
Milchschaum auf Kaffee

Herzstück all dieser Milch-Kaffeevarianten ist ein guter Espresso. Dazu kommt der perfekte Milchschaum und fertig ist zum Beispiel der Cappuccino. Die Ansprüche unter den sehr guten Barista ist enorm hoch. Es werden sogar Weltmeisterschaften für Barista durchgeführt. Allzu oft macht der Durchschnittsbürger den Fehler, diese Ansprüche der professionellen Kaffeezubereitung auf Kaffeevollautomaten zu übertragen. Das kann aber nicht der Anspruch eines Vollautomaten sein, denn natürlich kann er nicht mit einem Weltmeister mithalten und das will er auch überhaupt nicht.

Ein normaler Kaffeetrinker wird unserer Meinung nach einen sehr guten Cappuccino aus einem Kaffeevollautomaten überhaupt nicht von einem vom Barista zubereiteten Cappuccino unterscheiden können.

Jetzt kommt aber unser entscheidendes Argument! Viele schmücken sich mit dem Namen Barista und sind nicht annähernd so perfekt wie der Anspruch an die besten ihrer Zunft ist. D.h., dass gerade in vielen Communities und Foren sich angeblich Barista oder leidenschaftliche Kaffeezubereiter aufhalten, die in ihrem Leben noch keinen hervorragenden Cappuccino gesehen haben. Diese sind dann auch oft überkritisch und diskutieren wegen Kleinigkeiten am Kaffeeergebnis eines Kaffeevollautomaten herum.

Unser Fazit zu diesem Thema ist, dass natürlich ein sehr guter Barista einen besseren Cappuccino zubereitet von Hand als ein Kaffeevollautomat. Unserer Meinung nach auch nicht nur in der Preisklasse für Privathaushalte sondern auch in jeder anderen Preisklasse. Aber der durchschnittliche Kaffeetrinker bekommt aus einem guten Kaffeevollautomaten einen hervorragenden Kaffee, der ausgezeichnet schmeckt und besser ist aus als aus allen anderen Kaffeezubereitungsvarianten. Die einzige Ausnahme ist die Zubereitung von Hand durch einen absoluten Könner.

Wie sieht denn der ideale Cappuccino aus?

Einstellungen bei einem Cappuccino
Einstellungen bei einem Cappuccino

Hierfür gibt es genau angelegte Regeln. Am wichtigsten ist die Ausgewogenheit, d.h. die Balance zwischen der Süße der Milch und der harmonischen Verbindung mit dem Espresso, der eher bitter ist. Ein Barista, der etwas auf sich hält, wird immer zuerst den Espresso zubereiten und darauf die perfekt aufgeschäumte Milch fließen lassen. Man erkennt einen perfekten Milchschaum auf dem Cappuccino an seiner Dicke, die mindestens 1 cm betragen sollte und einer hellbraunen Melange. Der Cappuccinoschaum sollte leicht glänzen und eine glatte Oberfläche haben.

Die Oberfläche sollte zudem keine sichtbaren Bläschen enthalten. Dieser Cappuccinoschaum wird auch die perfekte Krone genannt. Die Krone sollte cremig schmecken – vergleichbar mit Sahne. Wichtig ist auch die richtige Temperatur des Cappuccino. Zwar sollte das Getränk heiß sein, aber man darf sich dabei auch nicht die Zunge verbrennen.

Woran sie sofort einen nicht perfekten Cappuccino erkennen ist, dass sich dickere Blasen in der Krone gebildet haben und der Schaum keinesfalls feinporig ist. Damit können Sie schon mit einem Blick sagen, dass hier kein sehr guter Barista am Werk war. Aber wie gesagt, auch hier kann man es übertreiben. Letztlich geht es um den Kaffeegenuss und nicht um ein kleinkariertes Suchen nach Bläschen im Kaffee.

Wer sich allerdings ein wenig mit der professionellen Kaffeezubereitung beschäftigt, der wird feststellen das es ähnlich wie bei der Weinverkostung zugeht und sehr interessant ist. Tatsächlich sind wirkliche Kaffeeliebhaber ähnlich kritisch wie Weinliebhaber. Aber auch bei den Weinliebhabern hat man natürlich viele Menschen die gerne Weinprofis wären aber keine sind. Genauso ist es auch beim Kaffee.

Deshalb lassen Sie sich nicht verrückt machen von Aussagen ihrer Bekannten, Freunde und Verwandten oder noch schlimmer in einigen Foren. Die aktivsten Mitglieder sind hier oft die, die recht wenig Ahnung haben von der Materie und zuviel Zeit haben. Wer sich hier ein bisschen einliest der verzweifelt schnell und kann mit den ganzen Widersprüchen überhaupt nichts mehr anfangen. Die wirklichen Kaffeeprofis haben oftmals dann schon überhaupt keine Lust mehr auf solche Einlassungen zu antworten, weil sie das schon 20 mal vorher getan hatten und es nichts gebracht hat.

Genießen Sie ihren Kaffee, lassen Sie sich nicht verrückt machen und alles ist gut!

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